Denn einen Gipsverband kann gesehen werden…

Mai 10, 2019 0 Von Annaika

Wusstet ihr, dass in Deutschland durchschnittlich jeder vierter Bürger an einer psychischen Erkrankung erkrankt? Die wohl am häufigsten Genannte ist die Depression, wobei es eine Palette an Krankheitsbildern. Was mich auch zu diesem Beitrag bringt: Meine Gedanken über das Problem mit der Stigmatisierung und allgemein der Umgang mit psychischen Erkrankungen.

Vor ein paar Wochen bin auf den Schreitag gestoßen. Dahinter verbergen sich die Worte Schrei und Freitag. Erfunden von drei Nerds schlechthin (an dieser Stelle: Wenn ihr das lest, ihr seid cool!) geht es darum einen Ausgleichstag zu finden. Einen Tag an dem der aufgestaute Stress und Emotionen rausgelassen werden. Was hilft das besser als ihn von der Seele zu schreien? So entstannt der Schreitag. Wie das in Zeiten von Social Media manchmal so ist, verbreitete er sich. Die Aufmerksamkeit sollte genutzt werden und die Jungs kamen auf die Idee, einen Teil des Gewinns für einen guten Zweck zu nutzen, nämlich an die Deutsche Depressionshilfe.

Ich persönlich fand und finde die Idee genial. Allgemein habe ich das Gefühl, dass ein Teil der Gesellschaft offener wird. Vielleicht ist das auch nur Wunschdenken oder ich hab einfach ein aufgeschlossenes Umfeld. Leider ist das nicht der allgemeine Zustand. Ein Spruch, der das ganz gut darstellt ist: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht.“ Zumindest teilweise. Es ist oft, dass die Menschen angst vor dem haben, was sie nicht kennen oder verstehen. Also ähnlich wie bei einer psychischen Erkrankung. Als Nicht-Betroffener ist es schwer zu verstehen, wie sich jemand mit einer Depression o.ä. fühlt. Als Betroffener ist es schwer zu erklären; sich selber zu erklären. Das führt zu Konflikten. Vor allem im Familien- und Freundeskreis kann es zu Disharmonie kommen. Denn es gibt immer zwei Seiten: Einmal die des Erkrankten und dann die des Angehörigen. Für beide kann der Umgang mit der Erkrankung schwer sein. Für den Erkrankten ist die Problematik als erstes die Erkrankung als solche zu erkennen, dann natürlich der Umgang mit dieser und auch mit sich selber. Für den Angehörigen ist dabei schwer zu wissen, wie er helfen kann, ob er überhaupt helfen kann und oftmals auch, wie er allgemein mit der Person umgehen soll. Das Wichtige für beide Seiten ist an der Stelle die Kommunikation. Vor allem in Momenten, wo der Erkrankte sich zu seinen Gefühlen äussern kann, ist es wichtig, dass derjenige die gewünschten Umgangsformen für solche Situationen mitteilt. Dieses Wissen kann Konflikte vermeiden und den Umgang miteinander fördern. Natürlich ist es als Angehöriger nicht leicht zu sehen, dass es einem geliebten Menschen nicht gut geht und er keine Hilfe in dem Moment möchte. Aber im Endeffekt wird ihm geholfen, indem er, mit der Erfüllung seiner gewünschten Umgangsform, ernstgenommen wird in seiner Erkrankung. Es geht nicht darum, dass jeder Nicht-Betroffene nachvollziehen kann, wie sich jemand in einer Depression fühlt, sondern darum, zu zeigen, dass man den Anderen immer noch als „normalen“ (was ist schon normal?) Menschen betrachtet und ihn akzeptiert wie er ist. Eine Depression kann jeder Zeit wieder kommen und ein Mensch mit einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung hat oftmals ein impulsives Verhalten. Auch Angehörigen kann es schlecht gehen, des wegen sollten diese auch auf ihr „Limit“ achten. Empathie ist etwas wundervolles, aber es gibt immer Momente und Situationen, in denen jeder von uns mit bestimmten Themen nicht umgehen können, so dürfen bzw. sollen einem psychisch erkranntem Menschen auch sagen, wenn sie mal keine Zeit haben, weil sie selber gerade nicht gut drauf sind.

Wir sind alle nur Menschen und niemand ist perfekt. Ich glaube, dass sollten wir uns alle etwas öfter vor Augen halten. Natürlich entspricht das, was ich oben geschildert habe, meinen eigenen Erfahrungen und sollte deshalb nicht verallgemeinert werden. Mir persönlich liegt das Thema sehr am Herzen und zwar von beiden Seiten der Medaille.

Ich hoffe, dass meine gedanklichen Aussgüsse nicht allzu verworren waren. Mir geht das Thema aktuell wieder stärker durch den Kopf und ich musste einfach mal anfangen ein bisschen etwas aufzuschreiben.

Bis zum nächsten Mal, Annika!

Quellen und Tipps: Wenn ihr weitere Informationen über den Schreitag möchtet empfehle ich euch die Seite https://tonytippt.de/schreitag/. Sollten euch eher Daten und Fakten interessieren schaut mal auf der Seite der
Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde nach: https://www.dgppn.de/.

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