{Rezension} Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

April 29, 2018 0 Von Annaika


Titel: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken – John Green
Format: Gebunden
Verlag: Carl Hanser Verlag
Erscheinung: 2017
Preis: 20€
Quelle: www.hanser-literaturverlag.de

Inhalt:
Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht.

„Holmesy, alles klar bei dir?“, fragte Daisy.
Ich nickte. Manchmal fragte ich mich, warum sie mich mochte oder wenigstens ertrug. Warum mich irgendwer ertrug. Ich fand mich selbst unerträglich. (S.12)

Meinung:
Wow. Das war mein erster Gedanke. Wow.
Die Geschichte um die Familie Pickett gibt dabei einen gewissen roten Faden: Der Vater von Davis und Noah verschwindet, nachdem er angeklagt werden soll. Auf seine Auffindung steht ein Lösegeld. So beginnt die Geschichte. Daisy, die beste Freundin von Aza, möchte das Geld haben und so überredet sie Aza, welche Noah aus Kindertagen kennt, ihm einen Besuch abzustatten. So beginnt die Geschichte.  Für mich wirkte dieser „rote Faden“ etwas gezwungen, so als ob Green einfach eine Grundstory brauchte. Für mich war es zu sehr fiktiv, aber das macht nichts! Da die Gefühle und Gedanken der Figuren so real zu greifen, so echt und authentisch sind, wirkt die „Fiktion“ als kleiner Abdämpfer.
Das Buch und die Thematik musste ich erstmal sacken lassen. Im Vorfeld wusste ich, dass John Green ein Buch über Angststörungen veröffentlichen wird und, dass er selber an Angststörungen leidet. Genau dieses Tatsache – dass er selber daran leidet – macht das Buch so überzeugend: Die Protagonistin Aza leidet an einer Angsstörung, welche mit einer speziellen Phobie verbunden ist. Sie hat Angst vor Bakterien. Diese Angst stellt sie im Alltag immer wieder vor Probleme: Sei es im Kontakt mit anderen Menschen oder auch mit ihrem eigenen Körper. Diese Angst ergreift ihre Gedanken und zwingt Aza immer wieder in Knie. Diese Angst bestimmt ihre Gedanken. Sie befindet sich in einer Spirale, aus der sie nicht rauszukommen scheint.
Was ich an diesem Buch mal wieder zu schätzen weiß ist der Stil. Die Sprache der Charaktere ist einfach immer Einzigartig bei John Green: Poetisch, aber nicht gezwungen. Er schafft es damit bestimmte Dinge auszudrücken, die bei anderen kitschig oder üertrieben wirken würden. Ich hätte das gesamte Buch mit Post-Its vollkleben können, es gibt so viele schöne oder nachdenkliche Zitate.

„Mich stört es nicht, wenn Leute sich Sorgen machen“, sagte ich. „Sorgen sind die angemesse Reaktion auf das Leben. Das Leben ist besorgniserregend.“ (S.55)

 

 Fazit:

Nachdem ich „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ beendet hatte, habe ich es Mama in die Hand gedrückt und gesagt: „Lies und weine!“ Mit weinen meine ich dabei nicht die Story, nicht das Geschehen als solches, sonder die Charaktere, die Beziehungen und die Gefühle. Für mich ist dieses Buch ein poetisch hervorragendes Jugendbuch! Wenn man, wie in anderen John Green Büchern, eine einzigartige Story erwartet, sollte man nicht unbedingt zu dem Buch greifen, aber wenn man authentisch dargestelle Personen sucht, dann ist man hier richtig. Aza, Daisy und Davis wirken von ihrer Menschlichkeit her einfach zum greifen nah – und genau das ist, was das Herz zu berührt: die Charaktere. Diese bestimmten das Buch und ihre Wirkung und nicht die Story.

✰✰✰✰ von fünf Sternen.