{Rezension} Normal ist anders

Mai 14, 2018 0 Von Annaika

Titel: Normal ist anders (Katja Kullin)
Format: Taschenbuch; 240 Seiten
Verlag:Ullstein Buchverlag
Erscheinung:  2016
Preis: 9,99 €
Quelle: www.ullstein-buchverlage.de 

Inhalt:
Lea kann nichts mehr schlucken. Kein Brot, keine Schokolade, kein Obst. Wenn sie ehrlich ist, will sie auch gar nichts mehr schlucken. Lea leidet unter panischer Angst vor dem Ersticken. Inzwischen ist die 26-Jährige so untergewichtig, dass sie sich entscheiden muss: Sterben oder Therapie. Sie entscheidet sich für Letzteres. In der Klinik werden aus den anfangs so skurril erscheinenden Mitpatienten bald gute Freunde, und ganz unerwartet passiert Lea auch noch das Normalste überhaupt: Sie verliebt sich. In den hochsensiblen Ben, der einen Sammelzwang hat. Er tut ihr gut, aber kann sie seine Liebe überhaupt zulassen? Und dann wird sie rückfällig …

Meinung:
Als ich zu dem Buch griff, machte mich der Klappentext neugierig: Ich dachte, ein Buch in der Hand zu haben, in dem die Autorin einen jungen Menschen mit seiner psychischen Erkrankung zu zeigen. Natürlich hatte ich eine bestimmte Ahnung, um welche Erkrankung es geht – ob ich recht hatte und worum es sich handelt, möchte ich an dieser Stelle nicht vertiefen. Was ich bei dem Buch nicht erwartet habe, ist eine „nüchtern“ Darstellung, die mein Herz trotzdem bluten lässt. 
Aber erst einmal von vorne: Der Leser begleitet Lea. Lea ist ein 26-jähriges Mädchen, welches gerade ihr Studium abgeschlossen hat und demnächst mit ihrer Promotion anfangen möchte. Davor stellt sie sich aber ihrer Angst vor dem Essen bzw. vor dem Ersticken und somit auch sich selber. In der Klinik lernt sie Mitpatienten kennen und die Hilfe untereinander, macht aus „Leidensgenossen“ Freunde.
Die Geschichte teilt die Autorin in unterschiedliche Kapitelarten: Da gibt es die Rückblicke Leas, in denen der Leser mehr von ihr und den Anfängen ihres Leidensdruckes kennen lernt; die Gespräche mit ihrem Psychiater und ihre allgmeine Gegenwart. Diese Unterscheidung der Erzählmuster macht es als Leser einfach,die unterschiedlichen Momente während Leas Klinikaufenthalt nachzuvollziehen. Allgemein ist der Erzählstil recht leicht verfasst, aber nicht als Jugendbuch, sondern eher in den Bereich der Popliteratur – zumindest habe ich mich in mein Popliteraturseminar aus dem letzten Semester versetzt gefühlt. 



Fazit:
Ich finde das Buch zeigt einen wichtigen Aspekt unserer Gesellschaft. Nämlich, dass jeder Mensch aufgrund von einer Kette von „Kleinigkeiten“ eine psychische Erkrankung bekommen kann, genau so, wie jemand mit einem Trauma. Niemand sollte über jemanden urteilen. Leider ist es manchmal schwer über die Dinge zu sprechen, die einen bedrücken, weil man sie selber für nichtig hält. Bei anderen Dingen jedoch ist bekannt, dass sie von vielen verurteilt werden. Das ist es, was vielen von uns Menschen fehlt: Unvoreingenommenheit! Die Autorin schafft es die Leiden, aber auch die Freuden von erkrankten Menschen aufzuzeigen und bringt zum Mitfühlen und darüber nachdenken. Im Endeffekt hätte ich mir mehr Geschichte gewünscht und damit auch ein wenig mehr Theraphiedarstellungen, aber ansonsten lege ich es jedem ans Herz!

 ✰✰✰✰,5 von 5 Sternen